FLYFEL®-sliver ist ein Kammzug aus
superfeiner Maulbeerseide in A1-Qualität!
Zuerst ein paar grundsätzliche Infos über Maulbeerseide:
Seit Jahrtausenden züchten Menschen
Seidenraupen mit dem Ziel, immer hochwertigere Seidenfasern zu
erhalten.
Folgende Eigenschaften soll die Seide besitzen: Sie soll fein, aber
reißfest sein. Sie soll einen Faden gleichbleibender Stärke aufweisen,
der sich möglichst gut vom Kokon abwickeln (haspeln) lässt. Die Seide
soll weiß sein und möglichst stark glänzen. Für eine wirtschaftliche
Verarbeitung ist es zudem wichtig, dass sich der Seidenleim gut von der
Faser entfernen lässt.
All diese Bedingungen erfüllt die Maulbeerseide mit ihrem eleganten,
fast silbrigen Glanz.
Für
die Produktion dieser Seidenqualität wird heute hauptsächlich die
Schmetterlingsart Bombyx mori gezüchtet und aufgezogen. Sie existiert
in vielen Sorten und ernährt sich von Blättern des Maulbeerbaums. Die
Raupe liefert die Seidenfaser, die Sie von Pongés, Crêpes, Chiffons
und vielen anderen Geweben kennen. Jahrtausende der Auslese haben
Seidenraupen hervorgebracht, die eine beinahe ideale Seidenfaser
schaffen.
Die Nachteile:
Allerdings bringt die rigorose Züchtung auch Nachteile mit sich: Die
Raupen des Bombyx mori sind sehr empfindlich gegenüber allen Arten von
Stress! Sie besitzen einen scharfen Geruchssinn und sind "allergisch"
gegenüber einer Vielzahl von Gerüchen. Arbeiter, die diese Tiere
füttern und betreuen, dürfen keinen Körpergeruch aufweisen und auch
nicht nach Kosmetika oder Parfum duften. Essensgeruch, besonders der
Duft von Knoblauch, kommt bei den Seidenraupen nicht gut an.
Die Raupen dulden weder Lärm, noch Erschütterungen oder Zugluft.
Andernfalls geraten die sensiblen Tiere unter Stress und produzieren
deutlich weniger, schlechtere und mit Fehlern behaftete Seide.
Neben Bombyx mori, der wohl bekanntesten Schmetterlingsart, die
Maulbeerseide produziert, gibt es zum Beispiel auch noch Bombyx
sinensis, die ebenfalls weiße Seide liefert, allerdings mit etwas
kleineren Kokons.
Soviel zur Theorie, nun zur (Filz-)Praxis, denn FLYFEL®-sliver ist wie geschaffen fürs Nuno-Filzen!
Mit den feinen Seiden-Fasern, in hauchfeinen oder auch mal dickeren Strängen, lassen sich in die eher matte Filzoberfläche einzigartige, organisch anmutende Glanzlichter einarbeiten.
Die Stränge werden trocken in die entsprechende Länge und Dicke auseinander gezogen, auf die noch möglichst ungefilzte Wolle in die gewünschten Formen gelegt und dann alles zusammen mit Seifenlauge besprenkelt. Für den Anfang sollten Sie eine dünne transparente Folie auf das Filzgut legen und vorsichtig mit dem Filzen beginnen, damit sich die feinen Seidenfasern nicht verschieben.
Beim Filzprozess geraten die Wollfasern in Bewegung, umklammern dabei die Seidenfäden und halten sie dadurch dauerhaft fest. Durch diese Bewegungen in der Wolle erhalten die Seidenfasern beim Filzen, auch wenn sie ganz glatt und gerade aufgelegt wurden, eine dezent wellenförmige, leicht verspielte Struktur.
Wichtig zu wissen:
Seide auf Seide filzt nicht. Sie benötigen zum Auffilzen von FLYFEL®-sliver immer eine, zumindest hauchdünne, Schicht Wolle als Zwischenschicht.
Nun zu den Gestaltungsbeispielen:
Dieser Nuno-Filz-Schal ist eine Variante des vorhergehenden Schals. Prinzipiell werden beide gleich hergestellt:
Hier wurde ein
weißer Schal aus Pongé 05 mit einem etwas länger zurechtgeschnittenen Stück
schwarzes FLYFEL®-web belegt. Einige Aussparungen im Wollvlies lassen das weiße, glänzende Seidengewebe durchblitzen. Auf die noch trockene Wolloberfläche wurden einige dünne Stränge
FLYFEL®-sliver aufgelegt, mit Folie bedeckt und vorsichtig angefilzt. Sobald die Seidenfasern beginnen sich zu kräuseln, kann die Schutz-Folie entfernt und mit mehr Druck weitergefilzt werden. Von nun an können sich die Seidenfasern nicht mehr verschieben. Hat der Nuno-Filz-Schal die gewünschte Festigkeit erreicht, wird die Seifenlauge ausgewaschen und der Schal kann, wie bei diesem Muster, noch coloriert werden.
Dazu wird der fertige Filz-Schal in einem großen Topf mit Wasser und etwas blauer dampffixierbarer Seidenmalfarbe bis zur gewünschten Farbintensität unter ständigem Rühren leicht köchelnd gefärbt. Sowohl das Pongè-Gewebe als auch die eingefilzten Seidenfasern nehmen dabei die blaue Farbe an. Die Merinowolle bleibt natürlich schwarz.
Dieser Schal ist jedoch auch "pur" in schwarz/weiß ein besonderer Blickfang. Die Fransen werden nach dem Trocknen einfach mit einer Schere in schmale Streifen geschnitten.
Dieser Schal ist, genau genommen, gar kein Nuno-Filz-Schal, denn "Nuno" bedeutet: "Stoff". Hier wurden jedoch nur zwei Lagen FLYFEL
®-web miteinander verbunden.
So geht's:Schneiden Sie aus zwei gleich großen, übereinanderliegenden Stücken FLYFEL
®-web in
schwarz und
limonengrün an verschiedenen Stellen einige Rechtecke aus, durch
diese wird, wie durch viele kleine Fenster, die Farbe der anderen Seite
sichtbar. Hinterlegen Sie diese Partien teilweise mit farbiger Pongé und
eingefärbten Maulbeerseiden-Kammzüge in pink und türkis.
Filzen Sie danach beide Lagen gleichzeitig mit der Technik Ihrer Wahl zusammen. Traditionell
mit der Hand, im
Wäschetrockner/Waschmaschine oder gar mit dem
Schwingschleifer.
Aufgefilzte stilisierte Blüten und Ranken aus FLYFEL
®-sliver wirken immer sehr edel.
In
diesem Journalbeitrag erfahren Sie, wie leicht und schnell solche Blüten herstellbar sind.
In diesem Gestaltungsbeispiel wurden die Formen zuerst aus schwarzer Seide und darüber ein zweites Mal aus weißer Seide gelegt und gefilzt. So entsteht ein besonders raffinierter 3-D, bzw. Schatten-Effekt.
Dieses Musterstück zeigt die Gestaltung von eindrucksvollen Fransen mit FLYFEL
®-web und FLYFEL
®-web. Hierfür wurden die Maulbeerseiden-Kammzüge vor dem Befilzen eingefärbt.
Weitere Infos zu den verschiedenen Fransentypen finden Sie
hier im IDEEN.com-journal.
Das Färben:Am besten lässt sich FLYFEL
®-sliver mit dampffixierbaren Seidenmalfarben colorieren. Es gibt zwei Möglichkeiten der Fixierung: entweder lassen Sie die bemalten Stränge trocknen und fixieren sie anschließend mit Wasserdampf (wird
hier im IDEEN.com-journal erklärt), oder Sie bemalen die zu färbenden, zusammengerollten Stränge in einer Schüssel und stellen diese noch feucht für 3-4 Minuten bei etwa 600 Watt in eine Mikrowelle.
Auf jeden Fall sollten Sie die überschüssige Farbe nach dem Fixieren auswaschen. Vorsichtig und mit so wenig Bewegung wie möglich, damit die Seidenfasern nicht zu stark durcheinandergeraten und sich für die spätere Verwendung gut trennen/vereinzeln lassen.
Die langen Seidenfasern können Sie, im Gegenteil zu Wollfasern, auch im nassen Zustand gut auseinander ziehen und verarbeiten, denn eine der vielen positiven Eigenschaften von Seide ist ja deren Naßreißfestigkeit.
Feuchten Sie die Seidenfasern vor dem Bemalen leicht mit Essigwasser an, leuchten die Farben besonders brillant.
Ein weiteres Beispiel für dreidimensionale Fransen mit eindrucksvollen Glanzeffekten aus Maulbeerseidenkammzug.
Hier wurde
Single-Jersey an den Enden mit FLYFEL
®-tops und FLYFEL
®-sliver befilzt. Jersey erfordert etwas mehr Mühe beim Filzen, aber das Ergebnis kann sich sehen lassen!
Das helle Musterstück wurde mit reinweißen Seidenfäden belegt, das darunterliegende dunkle mit schwarz eingefärbten Fasern.
Eine sommerliche Nuno-Filz-Variante.
Bestehend aus einem Chiffon-Schal, schmalen Streifen FLYFEL
®-web und hauchfeinen Maulbeerseiden-Strängen.
Eine detaillierte Anleitung zum Nachfilzen finden Sie
hier im IDEEN.com-Journal.
Mit FLYFEL
®-sliver lassen sich regelrecht Bilder und Motive malen!
Sehr einfach und doch beeindruckend:
Rosen und Blüten aus Seidenfasern. Schlicht und edel in schwarz weiß und aufsehenerregend in bunt auf schwarzem Untergrund.
Weitere Ideen für Blüten finden Sie
hier im IDEEN.com-Journal.